Mit den ersten milden Frühlingstagen kehren sie aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück: die Schwalben. Doch die flinken Glücksbringer, die als Boten des Frühlings gelten, finden in unseren modernen Dörfer und Städten immer seltener ein Zuhause. Der NABU Saarland ruft dazu auf, die Rückkehrer aktiv zu unterstützen.
Ein schwerer Start in die Brutsaison
Ob Mehlschwalbe an der Fassade oder Rauchschwalbe im Stall – beide Arten stehen seit Jahren vor ähnlichen Problemen und verzeichnen Bestandsrückgänge. Moderne Architektur, gedämmte Fassaden und geschlossene Ställe bieten kaum Nistmöglichkeiten und versiegelte Flächen machen es den Vögeln unmöglich, Baumaterial für ihre Nester zu finden. Schwalben sind jedoch ortstreu und versuchen jedes Jahr, an ihren angestammten Platz zurückzukehren.
„Wir haben es in der Hand, ob das vertraute Zwitschern auch in Zukunft zu unserem Sommer gehört. Denn wir können den Schwalben aktiv helfen“, so Christine Steiner vom NABU Saarland, Projektleiterin "Schwalben willkommen"
So werden Sie zum Schwalben-Freund*in
Schon mit kleinen Maßnahmen lässt sich ein großer Beitrag zum Artenschutz leisten:
- Nistplätze schaffen: Wo natürlicher Nestbau durch glatte Fassaden erschwert wird, helfen Kunstnester.. Diese werden von den Vögeln dankbar angenommen. Ein einfaches Kotbrett, etwa 50 cm unter dem Nest montiert, schützt Fassade und Boden vor Verschmutzung.
- Lehmpfützen anbieten: Schwalben benötigen für ihre Nester feuchten Lehm oder Ton. In trockenen Frühjahren finden sie diesen kaum noch. Eine kleine, stets feucht gehaltene Erdmulde im Garten oder auf dem Hof kann hier wahre Wunder wirken und den Nestbau retten.
- Toleranz zeigen: Ein Schwalbennest am Haus gilt seit alters her als Segen für das Gebäude und seine Bewohner. Wer den Vögeln Einlass in Ställe gewährt oder Nester an der Traufe duldet, sichert das Überleben einer faszinierenden Tierart.
Schwalben beobachten im Saarland
- Die meisten Mehlschwalben fliegen im oberen Saartal zwischen Saarbrücken und Saargemünd und in ländlichen Gebieten des Nordsaarlandes. Die Brutpaare belaufen sich auf 6.000 bis 12.000.
- Rauchschwalben fühlen sich überall dort wohl, wo es Pferdeställe oder alte Kuhställe gibt. Die Zahl der Brutpaare liegt zwischen 3.000 und 6.000. Aufgrund der Bestandsrückgänge steht die Rauchschwalbe im Saarland mittlerweile auf der Roten Liste.
Rechtlicher Schutz: Nester sind vom Gesetzgeber geschützt
Oft führt die Verschmutzung von Fassaden dazu, dass Nester illegal entfernt werden. Hier zieht der Gesetzgeber eine klare Grenze. Gemäß § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ist es streng verboten, die Fortpflanzungs- und Ruhestätten der besonders geschützten Schwalben zu beschädigen oder zu zerstören. Dieser Schutz gilt ganzjährig, also auch dann, wenn die Vögel im Winter im Süden sind. Gegen die Verschmutzung helfen Kotbretter, hier berät der NABU gerne.
Werden auch Sie zum "schwalbenfreundlichen Haus"
Ein einzelnes Schwalbenpaar vertilgt während der Brutzeit bis zu 2.500 Mücken und Fliegen pro Tag. Sie sind damit nicht nur sympathische Mitbewohner, sondern auch eine natürliche und hocheffektive Insektenabwehr. Wer die Insektenvertilger und Glücksbringer mit Nisthilfen unterstützen möchte, kann sich beim NABU um die wetterfeste Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ bewerben. „Immer mehr Hausbesitzer zeigen ihre Liebe zu Schwalben und stecken hoffentlich ihre Nachbarn an, sodass weitere Nistplätze im Saarland entstehen“, hofft Steiner. Auch ein wenig Lehm und ein offenes Fenster im Stall können schon eine große Hilfe sein.
Kostenlose Nisthilfen und Kotbretter
Über unser Schwalbenprojekt erhalten Sie kostenlose Nisthilfen und Kotbretter. Bestandshäuser bekommen eine Urkunde sowie eine Plakette als Auszeichnung "schwalbenfreundliches Haus". Benötigen Sie eine Beratung oder haben Sie weitere Fragen wenden Sie sich bitte an:
Christine Steiner NABU Landesverband Saarland e.V., Tel. 06881936190, E-Mail: christine.steinernabu-saar.de
Hintergrund Mehl- und Rauchschwalben
- Die Mehlschwalben kommen ab Mitte April zurück in unsere Gebiete. Zu erkennen sind sie an ihrem leuchtend weißen Bauch (wie in Mehl gebadet= Mehlschwalbe), der blauschwarzen Oberseite sowie dem gekerbten Schwanz samt weißem Bürzel. Mehlschwalben sind auch in den Städten verbreitet: Ihre fast geschlossenen Nester bauen sie an rau verputzten Hauswänden oder unter geschützten Dachvorsprüngen. Dabei nutzen Schwalben als ortstreue Tiere gerne alte vorhandene Nester und bessern sie mit frischem Lehm wieder aus.
- Rauchschwalben kommen in der Regel etwas früher in ihren Brutgebieten an als Mehlschwalben. Sie sind gut an ihrem glänzend blauschwarzen Gefieder, der weißen Unterseite sowie der rotbraunen Kehle samt Stirn und den langen Schwanzspießen erkennbar. Meistbrüten sie im Inneren von Gebäuden, bevorzugt in geschützten Ecken. Daher findet man die nach oben offenen Lehmnester beispielsweise in Ställen und Scheunen. Entsprechende Bauten sollten daher nicht komplett verschlossen sein. Vielmehr sollte ab dem Frühjahr eine Einflugluke, beispielweise ein Fenster oder eine Tür, offengehalten werden.
- Der NABU hat im Rahmen der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ seit 2017 bundesweit 14.000 Plaketten vergeben. Weitere Informationen zum Schwalbenschutz samt Anlegen einer Lehmpfütze finden Sie hier https://nabu-saar.de/tiere-pflanzen/schwalben-willkommen
Pressebilder und Grafik zum Schwalbenjahr: Pressebilder Schwalben
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