Lebach: Anfang Mai ist es wieder so weit: Mit ihren markanten, schrillen „Srieh-Srieh“-Rufen kündigen die Mauersegler (Apus apus) den Sommer an. Sie sind aus ihren afrikanischen Winterquartieren zu uns zurückgekehrt. Doch die Rückkehr der rasanten Flieger wird immer öfter zum Überlebenskampf. Der Grund: Moderne Bausanierungen vernichten still und leise ihre traditionellen Brutstätten.
Akute Wohnungsnot durch energetische Sanierung
Mauersegler sind extrem standorttreu und brauchen nur wenig Platz, um zu brüten. Über Jahrzehnte hinweg nutzen sie dieselben Nischen unter Dachziegeln, in Mauerlöchern oder hinter Regenrinnen. Doch der Boom der energetischen Gebäudesanierung wird ihnen zum Verhängnis. Wenn Fassaden gedämmt und Dächer lückenlos versiegelt werden, verschwinden die Einflugmöglichkeiten.
Gesetzlicher Schutz und die Pflicht zum Ersatz
Dies passiert immer noch viel zu häufig, auch wenn Mauersegler-Quartiere nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt sind – und zwar ganzjährig, also auch dann, wenn die Vögel im Winter gar nicht vor Ort sind. Daher ruft der NABU Saarland alle Hausbesitzer und Bauherren dazu auf, bei Sanierungsmaßnahmen die Fachbehörden schon in der Planungsphase und damit rechtzeitig vorab einzuschalten, um prüfen zu lassen, ob hier Mauerseglerplätze verloren gehen könnten. Im Bedarfsfall müssen dann gesetzlich vorgeschriebene Ersatznisthilfen im Zuge der Sanierungen fachgerecht in die neue Fassadendämmung integriert werden oder bestehende Nischen können erhalten bleiben.
„Werden bei einer Sanierung Brutplätze zerstört, ohne für adäquaten Ersatz zu sorgen, drohen empfindliche Bußgelder. Dennoch ist unser Ziel nicht der Baustopp, sondern das Miteinander und das möglichst frühzeitig“, so Christine Steiner von der NABU Kompetenzstelle für Vogelschutz im Saarland (KVIS).
Ein Herz für Mauersegler
Mauersegler sind extreme Luftakrobaten, die perfekt an das Leben in der Luft angepasst sind. Bis zu zehn Monate verbringen sie hier ohne Landung, sie schlafen, fressen und paaren sich sogar in luftiger Höhe! Sie haben extrem kurze Beine und können daher auf dem Boden kaum laufen. Sieht man einen Mauersegler am Boden, braucht dieser wahrscheinlich Hilfe.
Mauersegler sind keine Schwalben
Auch wenn sie ähnlich wie Schwalben aussehen und alle Flugkünstler sind, sind Mauersegler und Schwalben nicht näher verwandt. Das ähnliche Aussehen ist eine Anpassung an die Lebensweise.
Der Unterschied zu Schwalben besteht in den schmalen, sichelförmigen Flügeln und den „Srieh-Srieh“-Rufen, die im Schwarm während der atemberaubenden Flugmanöver durch die Gassen in unseren Städten zu hören sind. Das ist typisch Mauersegler und für viele Naturfreunde ein Sommerlaut, der in unsere Städte gehört.
Ein Wunder der Natur vor der Haustür
Einmal etabliert, sind Mauersegler wunderbare Untermieter. Sie verursachen kaum Dreck am Gebäude, da sie die Nistplätze sauber halten. Zudem sind sie hocheffiziente Insektenjäger, die pro Tag tausende Mücken aus der Luft fangen.
Die Ankunft der Mauersegler ist ein jährliches Naturschauspiel, das unsere Städte lebendig macht. Es liegt in unserer Hand, dafür zu sorgen, dass sie nach ihrer 10.000 Kilometer langen Reise nicht vor verschlossenen Nischen stehen.
So können Bürger helfen: Nisthilfen anbieten
Da der natürliche Wohnraum in unseren Städten schrumpft, sind die Vögel auf menschliche Hilfe angewiesen. Das Anbringen von künstlichen Nisthilfen ist eine effektive und kostengünstige Methode, um den Bestand zu sichern.
Worauf beim Aufhängen zu achten ist:
- Höhe: Die Kästen sollten mindestens in fünf bis sechs Metern Höhe angebracht werden, da Mauersegler zum Abflug „tief fallen“ müssen.
- Anflug: Die Einfluglöcher müssen frei anfliegbar sein – keine Bäume oder Gerüste dürfen den Weg versperren.
- Himmelsrichtung: Um eine Überhitzung der Küken zu vermeiden, empfiehlt sich eine Montage an der West- oder Ostseite des Gebäudes – auf keinen Fall sollten sie nach Süden exponiert sein.
- Kolonie: Mauersegler sind gesellige Vögel. Es empfiehlt sich, gleich mehrere Kästen nebeneinander zu montieren.
Haben Sie Fragen zum Thema wenden Sie sich bitte an: Christine Steiner, NABU Landesverband Saarland e.V., Tel. 06881-936190, E-Mail: christine.steinernabu-saar.de
