Wie gut schützt uns die Natur im Saarland?

Der neue Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt bundesweit, wo Landschaften noch kühlen, Wasser speichern und Klimaextreme abfedern. Die Auswertung zeigt: Auch im Saarland besteht Handlungsbedarf!

Lebach – Deutschland verliert die natürliche Schutzfunktion seiner Landschaften: Der gestern vom NABU und dem ECONICS Institut in Berlin vorgestellte Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) 2026 zeigt bundesweit, wie leistungsfähig Natur bei Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung ist. Das Ergebnis alarmiert: Viele Regionen verlieren ihre Fähigkeit, Hitze zu mildern, Wasser in der Landschaft zu halten und die Folgen der Klimakrise abzufedern.

Auch im Saarland zeigt sich, wie wichtig intakte Natur für den Schutz vor Hitze, Dürre und Starkregen ist.  „Der Grün-Feucht-Kühl-Index macht deutlich: Intakte Wälder, Moore, Auen und Grünflächen sind kein Nice-to-have, sondern unsere natürliche Infrastruktur und damit Lebensgrundlage. Diese Lebensräume speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und machen unsere Landschaften und Städte widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise“, sagt NABU-Landesvorsitzende Corinna Heyer.

„Im Vergleich mit den östlichen Bundesländern stehen wir aufgrund naturnah bewirtschafteter Wälder und extensiver Wiesennutzung in Schutzgebieten noch vergleichsweise gut da“, so Heyer weiter. Große Wälder mit den Naturschutzgebieten Warndt und dem „Urwald vor den Toren der Stadt Saarbrücken“ sind auffallend grün auf der Übersichtskarte des Saarlandes. Dagegen sind die Städte Saarbrücken, Saarlouis, Dillingen und Homburg in einem satten Rot dargestellt, was der schlechteste Wert im Grün-Feucht-Kühl-Index darstellt. Auch viele Ackerflächen sind rot eingefärbt, was laut Studie auf einen kritisch geschädigten Zustand hinweist (siehe Bericht Seite 19). Die Hitzewelle der letzten Wochen hat zu überhitzten Städten, Ernteverlusten, überlasteten Krankenhäusern und auch überlasteten Wildtierauffangstationen geführt. Mit Werten von teils über 41 °C gehört das Saarland zu den wärmsten Regionen 

Auch wenn unsere Wälder uns noch schützen, leiden auch sie unter der Trockenheit. Erst vor kurzem haben Umweltministerium und Saarforst Landesbetrieb vor der erhöhten Gefahr durch Ast- und Kronenbruch in den saarländischen Wäldern gewarnt. Betroffen sind vor allem ältere Buchen, Eschen und Eichen, die aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit bereits schon früher eingetretene Dürreschäden nicht ausgleichen konnten.

„Wir sehen daher auch im Saarland, dass wir unsere natürlichen Ressourcen mit ihren kostenlosen Ökosystemleistungen stärken müssen.  Vorhandenes stabilisieren und geschädigte Ökosysteme wiederherstellen – das muss politische Priorität haben. Die Wiedervernässung des Königsbruchs und einige unserer ehemaligen Feuchtgebiete müssen im Fokus der geplanten Wiederherstellungsmaßnahmen stehen. Renaturierungen von Oster und Ill/Theel sind gute Beispiele und müssen auch in den anderen Auensystemen fortgesetzt werden. Unsere hitzegeplagten Städte und Dörfer brauchen ein umfassendes Programm für mehr Siedlungsgrün und Entsiegelung, das Leitbild der Schwammstadt sollte hier Vorbild sein“, so die NABU-Chefin abschließend.

Gleichzeitig zeigt der Index: Renaturierung wirkt. Wo natürliche Prozesse zugelassen und geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt werden, können Landschaften ihre Funktionen zurückgewinnen, etwa durch regenerative Landwirtschaft mit Zwischenfruchtfolgen, die Wiedervernässung von Mooren und Nassflächen, die Renaturierung von Flüssen und Auen oder mehr Grün in den Städten und Dörfern.

Dass die Bevölkerung diesen Weg unterstützt, zeigt auch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des NABU: Fast 82 Prozent der Menschen im Saarland befürworten das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur. Die Ergebnisse unterstreichen den breiten gesellschaftlichen Rückhalt für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und für Renaturierungsmaßnahmen als wirksamen Beitrag zum Klima-, Natur- und Hochwasserschutz.

Der NABU fordert Bund und Länder auf, die Natürliche Infrastruktur konsequent zu stärken. Dazu gehören die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung, ein Bundesgesetz für Natürliche Infrastruktur sowie mehr Tempo bei der Renaturierung und der Vernetzung von Lebensräumen – auch im Saarland.

Hintergrund:

Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index 2026 beruht auf der Auswertung und Integration der Spätsommergrünheit der Landoberfläche (satellitenbasierter Index NDVI; September), der Oberflächentemperatur an heißen Tagen (satellitenbasiert) und des Jahresniederschlags (Quelle: Deutscher Wetterdienst). Entstanden ist eine Karte zur Bewertung der natürlichen Infrastruktur Deutschlands, aus der Maßnahmen zu ihrer Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung abgeleitet werden können. Mehr Infos:

Weitere Informationen, Karten fürs Saarland und kostenfreie Pressefotos: Download.

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