Mitmachen erwünscht: Raupen an Brennnesseln entdecken

NABU-Meldeaktion von 8. Juni bis 8. Juli 

Lebach – Bei Brennnesseln denken die meisten Menschen an juckende Quaddeln während ihrer Kindheit. Die Pflanze hat ein schlechtes Image und wird darum aus vielen Gärten verbannt. „Das ist schade, denn die Brennnessel ist für viele Schmetterlingsraupen eine wichtige Futterpflanze“, so NABU-Schmetterlingsexperte Rainer Ulrich. „Mehr als 30 heimische Falterarten leben von ihr.“

Mit der neuen Meldeaktion „Raupen an Brennnesseln“ laden NABU und das Naturbeobachtungsportal NABUnaturgucker Naturfreundinnen und -freunde dazu ein, selbst zu entdecken, welche Raupen an den Pflanzen zu finden sind. Im Fokus stehen fünf Arten: Tagpfauenauge, C-Falter, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen.

Schmetterlinge im Saarland

Im Saarland sind das Tagpfauenauge und der Admiral die häufigeren Schmetterlinge. Ulrich ergänzt: „Insbesondere das früher häufige Landkärtchen ist im Saarland nur noch sehr selten zu beobachten; auch der Kleine Fuchs ist deutlich zurückgegangen. Wer aber mit offenen Augen Brennnesseln am Wegesrand oder im Garten absucht, wird momentan kleine Gruppen von Raupen des wunderschönen Tagpfauenauges entdecken.“ Diese sitzen ganz offen auf den Brennnesselblättern, da sie wegen ihrer Haare von Vögeln nicht gefressen werden. „Die Raupen des Admirals sind dagegen in Brennnesselblätter gehüllt und die Pflanzenspitze ist dadurch oben abgeknickt“, weiß der Schmetterlingsfachmann Ulrich.

Schmetterlinge als Bioindikatoren

Wie bei vielen anderen Insektenarten auch, gehen die Schmetterlingsbestände seit Jahren zurück.  Laut aktueller Roter Liste der Schmetterlinge des Saarlandes1) gelten 36 Prozent aller Tagfalterarten als ausgestorben oder gefährdet. Wie sich die Bestände im Raupenstadium entwickeln, wird bisher kaum erfasst. Die Beobachtungen aus der Meldeaktion können helfen, Verbreitung und Häufigkeit der Raupen besser zu dokumentieren und Rückschlüsse auf die Entwicklung der Falterarten zu ziehen. Das ist auch deshalb wichtig, weil Schmetterlinge als Bioindikatoren gelten. Das heißt, sie reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen von Lebensräumen, Klima und Landnutzung. Ihre Beobachtung oder ihr Fehlen gibt so frühzeitig Hinweise auf ökologische Veränderungen.

„Wir freuen uns daher, wenn viele Menschen bei der Meldeaktion mitmachen. Und Sie können Schmetterlinge aktiv unterstützen, indem Sie der Brennnessel eine wilde Ecke in Ihrem Garten überlassen – beispielsweise am Rand Ihres Komposthaufens. Über frisch gemähte Bestände freut sich vor allem der Admiral“, so Ulrich abschließend. Der Lohn sind farbenprächtige Falter, die als Blütenbesucher zur Bestäubung vieler heimischer Pflanzen beitragen.

So funktioniert die Meldeaktion: 

  1. Beobachten und fotografieren: Wer Brennnesseln z. B. im Garten, an Wiesen, Wegrändern oder auf naturnahen Grünflächen genau anschaut und eine Raupe entdeckt, fotografiert sie.
  2. Bestimmen: Welche Art ist es und welcher Falter wird daraus? Hilfe zur Bestimmung gibt es unter www.NABU.de/raupen-melden oder unter www.insektentrainer.de 
  3. Melden: Beobachtungen, möglichst mit Foto, können zwischen 8. Juni und 8. Juli gemeldet werden unter www.NABU.de/raupen-melden

Pressebilder: NABU Saarland: Schmetterlinge & Raupen

1)     Caspari, Steffen & Rainer Ulrich (2022): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera et Hesperiidae) und Widderchen (Zygaenidae) des Saarlandes (5. Fassung). – In: Rote Liste gefährdeter Pflanzen und Tiere des Saarlandes (Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und DELATTINIA (Hrsg.), Atlantenreihe Band 6.2: 229- 248. – Saarbrücken und Landsweiler-Reden.