Lebach – Ein lauter Knall an der Fensterscheibe, gefolgt von Stille. Wer dieses Geräusch schon einmal gehört hat, weiß, welches Drama sich gerade draußen abspielt. Für unzählige Rotkehlchen, Meisen und Amseln endet der Flug durch unsere Gärten und Städte tödlich. Vor allem Jungvögel sind jetzt betroffen, da sie ihre Umgebung gerade erst neu entdecken. Sie kollidieren mit einer Gefahr, die sie schlichtweg nicht sehen können: Glas. Der NABU Saarland möchte auf diese Gefährdung aufmerksam machen und ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, ihre Fenster und Glasfassaden jetzt vogelsicher zu machen.
Warum unsere Fenster zu tödlichen Fallen werden
Während der Mensch die klare Sicht nach draußen genießt, spiegelt sich für Vögel in unseren Fenstern oft ein vermeintliches Paradies. Bäume, der Himmel oder Hecken werden von der Glasscheibe reflektiert. Für den Vogel sieht es aus wie der natürliche Flugweg. Ein anderer tödlicher Effekt entsteht bei Wintergärten, verglasten Balkonen oder Eckfenstern: Der Vogel sieht die Bäume auf der anderen Seite des Gebäudes und versucht, eine scheinbare Abkürzung zu nehmen. Dieser Irrglaube endet dann tödlich.
"In Deutschland sterben schätzungsweise jedes Jahr über 100 Millionen Vögel durch Kollision mit Fensterscheiben – eine Zahl, die mich erschüttert und uns alle zum Handeln auffordern sollte", so die NABU-Landesvorsitzende Corinna Heyer. "Sowohl in privaten Haushalten, öffentlichen Gebäuden, Büroflächen als auch in den Architekten- und Planungsbüros muss ein Umdenken einsetzen – zum Schutz unserer gefährdeten Vogelwelt", appelliert die NABU-Chefin.
Keine Hilfe: Vogel-Silhouetten
Viele Vogelfreunde und -freundinnen haben in bester Absicht schwarze Vogel-Silhouetten auf ihre Scheiben geklebt. Die ernüchternde Wahrheit aus der Wissenschaft lautet jedoch: Sie nützen nichts. Ein Vogel erkennt darin keinen Feind, den er meiden müsste, sondern nur ein kleines Hindernis, das er umfliegen will. Der Aufprall erfolgt dann oft nur wenige Zentimeter neben dem Aufkleber.
Wirksame Hilfe für zu Hause: Spezielle Fensterfolien
Der Schutz unserer gefiederten Freunde muss weder teuer sein noch die Ästhetik des Hauses ruinieren. Wir raten zu folgenden Sofortmaßnahmen:
- Punkte kleben: Spezielle Fensterfolien mit feinen Punkt- oder Linienmustern durchbrechen die Spiegelung effektiv. Das Muster darf dabei maximal handbreite Lücken (ca. 10 cm) aufweisen (Bezug NABU Shop)
- Milchglas und Dekoration: Sandstrahlfolien, Fensterfarben (z. B. mit Kindern gemalt) oder sichtbare Fensterdekorationen helfen, das Glas als Barriere erkennbar zu machen.
- Jalousien und Rollos: Werden diese leicht schräg gestellt oder halb heruntergelassen, wird die Spiegelung gebrochen. Auch einfache Fliegengitter außen am Fenster sind ein hervorragender und unsichtbarer Kollisionsschutz.
- Vogelfütterung richtig platzieren: Futterhäuschen sollten entweder sehr nah an der Scheibe (unter einem Meter) stehen, damit die Vögel beim Abflug kein hohes Tempo erreichen, oder sehr weit entfernt.
Jeder Beitrag zählt
Der NABU bittet alle Bürgerinnen und Bürger, einen kritischen Blick auf ihr Eigenheim zu werfen. Ein paar kleine Veränderungen können ausreichen, um vielen Vögeln das Leben zu retten.
Aber auch Architekten und Planungsbüros sollten den Vogelschlag in ihre Planungen einbeziehen. Glas ist der Baustoff unserer Zeit. Große Fensterfronten, gläserne Lärmschutzwände, transparente Wartehäuschen und komplett verglaste Bürokomplexe prägen das Bild moderner Städte und täuschen der Vogelwelt Lebensräume vor, wo stattdessen unnachgiebiger Beton und Glas warten.
Vogelschlag schon präventiv in der Bauplanung mitdenken
- Integriertes Vogelschutzglas: Bereits bei der Herstellung können durch Siebdruckverfahren oder Ätzungen feine Muster auf das Glas aufgebracht werden. Diese sind für das menschliche Auge dezent, für Vögel jedoch als klares Hindernis erkennbar.
- UV-reflektierende Beschichtungen: Da viele Vogelarten UV-Licht sehen können, der Mensch jedoch nicht, gibt es Spezialgläser, die dieses Licht reflektieren. Das Glas bleibt für den Menschen transparent, leuchtet für den Vogel jedoch als sichtbare Wand.
- Architektonische Alternativen: Lamellen, vorgesetzte Roste, Sonnenschutzsysteme oder eine teilweise Verkleidung der Fassade verhindern Kollisionen und verbessern zudem die Energiebilanz von Gebäuden durch natürliche Beschattung.
Forderungen an Politik und Bausektor
Der millionenfache Vogeltod kann nicht allein durch das Nachrüsten privater Hausbesitzer gelöst werden. Wir fordern:
- Anpassung der Bauordnungen: Vogelschutz muss bundesweit in den Landesbauordnungen verankert werden, insbesondere bei öffentlichen Bauten, Lärmschutzwänden und großflächigen Verglasungen.
- Verbindliche Prüfstandards: Architekten und Planer müssen verpflichtet werden, den Vogelschlag in der Umweltprüfung von Bauvorhaben systematisch zu bewerten und zu minimieren.
Haben Sie Fragen zum Thema wenden Sie sich bitte an:
Christine Steiner NABU Landesverband Saarland e.V., Kompetenzzentrum für Vogelschutz im Saarland (KViS),
Tel. 06881-936190, E-Mail: christine.steinernabu-saar.de
Weitere Informationen
- Vogelfalle Glas - Kollisionen mit Glasscheiben wirksam verhindern
- Broschüre der Vogelschutzwarten zur Vermeidung von Vogelschlag
- Flyer im NABU-Shop bestellen
- Vogelschutzmarkierung im NABU-Shop bestellen
Pressebilder: Vogelschlag
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