NABU relativiert Aussagen zum „Bienenparadies Saarland“

Nährstoffeinträge belasten Gewässer und bedrohen die Artenvielfalt

Lebach – Die heute in der SZ zu lesenden Ausführungen von Umweltminister Jost und dem Landesvorsitzenden des saarländischen Imkerverbandes bedürfen dringend der Korrektur bzw. Ergänzung. „Es ist keineswegs so, dass man im Hinblick auf ‚die Bienen‘ geschweige denn ‚Insekten‘ insgesamt von paradiesischen Zu- und Beständen sprechen kann“, so der Landesvorsitzende Uli Heintz. Wenn dies für die eine Honigbienenart gelte, für rund 200 Wildbienenarten treffe dies auf keinen Fall zu. Deren in Teilen noch wichtigere Bestäubungsleistung als die der gezüchteten Artgenossen gehe genauso zurück wie die Artenzahlen selbst. Gleiches gelte für Schmetterlinge und Feldvögel, so Heintz weiter.

Hauptursachen, auch im Saarland, sind der zunehmende Eintrag von Stickstoff über die Luft auf die gesamte Landschaft mit der Folge eines immer dichter werdenden flächigen Bewuchses. Es gibt zu wenige „gestörte“, offene Flächen, die sich vegetationsfrei erwärmen können, oder nährstoffarme Situationen, die den Blütenreichtum fördern.

Das ambitionierte Ziel, im Saarland die Spitzenstellung von Ökolandbauflächen zu erhöhen, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und wird sicher beim Thema Böden und Gewässer Verbesserungen im Hinblick auf die Belastung mit Agrochemikalien nach sich ziehen. Für den Erhalt der Artenvielfalt werden diese Maßnahmen allerdings nicht ausreichen. Blütenreiche Teilflächen müssen in die intensiv genutzten konventionellen Acker- und Grünlandflächen integriert werden, die extensive Beweidung von Grünlandflächen muss ebenso dringend auf die Agenda wie eine an der saarländischen Biodiversitätsstrategie ausgerichtete Fortschreibung des Ökokontos als Wiedergutmachungsinstrument bei Flächenversiegelungen.

Dass Nährstoffe nicht nur die Artenvielfalt bedrohen, sondern auch in zu großem Umfang Oberflächengewässer belasten, hat aktuell eine Studie der Universität Kaiserslautern gezeigt, die für Phosphate und Stickstoffverbindungen zu hohe Werte im Einzugsgebiet von Ill und Theel festgestellt hat. Das Umweltministerium hat hier zugesagt, konkrete Schritte bei den Kläranlagen und der konventionellen Landbewirtschaftung auf den Weg bringen zu wollen.

Für Rückfragen:

Ulrich Heintz, Landesvorsitzender, mobil 0171.4901669, E-Mail ulrich.heintz@NABU-saar.de