Köllertal auf dem Weg zur Arche-Region

Ein großer Schritt in Richtung „Arche-Region“ ist im Köllertal gelungen, denn die Liste der vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen ist in der Kategorie Schweine erweitert worden.

Wie in Wolle verpackt wirken die jungen Mangalitza-Schweine, die sich im Freien sauwohl fühlen. Foto: HJ Schmidt

In Völklingen-Fürstenhausen halten Markus und Sandra Bauer-Both neben Gallowayrindern und Therapiepferden auch die vom Aussterben bedrohten Mangalitza-Schweine, die wegen ihres Aussehens auch Wollschweine genannt werden.

„Wir wollen Schweinefleisch in Freilandhaltung produzieren und sind dann im Internet auf die robusten „Wollschweine“ gestoßen“, begründet Markus Both  die Entscheidung für die seltene Schweinerasse, die es im Saarland wohl nicht mehr gibt. „Zudem wollten wir die Idee des „Naturnahen Köllertals“ unterstützen.“ Both musste 3 Sauen in Baden-Württemberg und den Eber in der Eifel abholen. Dabei wurden Mangalitza-Schweine früher in großen Herden in Ungarn und Rumänien gehalten und dann zum Schlachten in die Großstädte bis Wien getrieben. Noch um 1900 gab es 6,5 Millionen Wollschweine, vorwiegend im osteuropäischen Raum. In den 1960er-Jahren begann der Niedergang, denn den Verbrauchern wurde eingebläut, dass Fett schlecht und gesundheitsschädlich ist. In den 1980er Jahren gab es weltweit nur noch rund 200 Exemplare, da das Wollschwein auch für industrielle Massentierhaltung nicht geeignet ist. Pro Wurf gibt es nur 3-6 Ferkel und bei enger Stallhaltung verliert es die Lust, sich zu paaren. Aber in der freien Natur und im großen Familienverbund fühlen sie sich sauwohl und alle 3 Sauen haben mittlerweile in Fürstenhausen Nachwuchs bekommen und sind bereits wieder trächtig. 

Inzwischen steigen in Europa wieder die Wollschwein-Bestände, denn die excellente Fleischqualität hat sich herumgesprochen und das relativ fette, aber geschmacksintensive Fleisch wird in der Gastronomie wieder nachgefragt und angeboten. „Erhalten durch Aufessen“ ist deshalb auch das Motto der Familie Bauer-Both, die frühestens im Januar/Februar 2019 Fleisch des Wollschweins anbieten wird. Nur so ist das Überleben der Wollschweine langfristig gesichert.

Die Chancen, aus dem Köllertal eine „Arche-Region zu entwickeln, sind dadurch angestiegen. Diese Auszeichnung der „Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrassen (GEH) gibt es für Regionen, in denen mindestens 9 vom Aussterben bedrohte Rassen aus den Kategorien Rinder, Pferde, Schweine, Esel (Kategorie A), Ziegen, Schafe (B) und Geflügel, Kaninchen, Hunde (C) gehalten werden. In einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der GEH, Dr. Peter Schweiger (Augsburg) hat der Initiator der Köllertal-Vision, Dr. Hans-Friedrich Willimzik, das Köllertal mit den bereits hier lebenden Haustierrassen vorgestellt. Beim gemeinsamen Besuch der 1. Archeregion in Deutschland in den niedersächsischen Elbtalauen konnte der saarländische Tierschutzbeauftragte die Zusammenarbeit mehrerer Betriebe bei der Erhaltung und Vermarktung seltener Tierrassen kennenlernen, mit entsprechenden neuen Erkenntnissen ist er ins Köllertal zurückgekehrt.